7. EAM-Konferenz 17. – 19. September 2020 Universität Leuven

CRiSiS 

Willkommen zur Broschüre zur 7. EAM-Konferenz zum Thema CRiSiS. Diese Konferenz sollte vom 17. bis 19. September 2020 an der Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Leuven in Belgien stattfinden, wo sie vom MDRN-Forschungslabor (www.mdrn.be) veranstaltet worden wäre.

Angesichts der Covid-19-Pandemie haben wir uns jedoch in den Monaten vor der Veranstaltung als Organisatoren der Konferenz mit einer der älteren Bedeutungen des Begriffs „Krise“ konfrontiert: der Moment kurz vor der Entscheidung. Als wir beschlossen haben, die Konferenz abzusagen, war bereits die Auswahl von eingegangenen Paper Vorschläge getroffen. Die intellektuelle Arbeit der akzeptierten Redner anzuerkennen, um ihnen zumindest einen Einblick zu geben, wie diese interdisziplinäre Konferenz ausgesehen hätte, und den jüngsten unter den Delegierten zu ehren, von denen einige zum ersten Mal in ihrer Karriere an einer Konferenz teilgenommen hätten, haben wir uns entschlossen, mit der Zusammenstellung dieser Broschüre fortzufahren, die neben den Abstracts auch ein provisorisches Programm enthält. Teilweise unvollständig, ein Überbleibsel eines Bauvorhabens, das durchgeführt und dann aufgegeben wurde, ist dies das CRiSiS, das die 7. Zweijahreskonferenz der EAM veranstaltet hätte.

Das Thema

Krisenvorstellungen haben die Forschung der europäischen Avantgarde und Moderne schon seit langem beschäftigt. Avantgardisten und Modernisten waren im Laufe ihrer Geschichte mit vielerlei Krisen konfrontiert, wirtschaftliche oder politische, wissenschaftliche oder technologische, ästhetische oder philosophische, kollektive oder individuelle, lokale oder globale, kurze oder beständige. Modernisten und Avantgardisten wurden wiederum häufig bezichtigt, Krisen ausgelöst zu haben, sei es künstlerische oder kulturelle, sensorische oder konzeptuelle, zufällige oder absichtliche, weitreichende oder unwesentliche, gegenständliche oder sonstige. Gerade die Begriffe „Avantgarde“ und „Moderne“ sind immer wieder konzeptuellen Krisen ausgesetzt worden oder haben diese provoziert und damit befinden sich die Moderne und die Avantgarde als Forschungsgebiet am ewigen Rand einer sich selbst löschenden theoretischen Krise zurück.

Die 7. zweijährige Konferenz der EAM hatte als Ziel, das Verhältnis von Avantgarde und Moderne in Europa zu Krise/n zu erörtern, mit einem besonderen Interesse an neuen Forschungsarbeiten in drei Themen. Zuerst wollten wir die theoretische Komplexität des Krisenbegriffs erforschen. Denn was ist eigentlich eine Krise? Der Begriff wird in der Moderne und in der Avantgarde oft sehr lose definiert, und eine kurze Übersicht zeigt, dass wir selten von Krisen gleichen Maßstabes, gleicher Geltung oder gleicher Auswirkung sprechen. Wenn wir klarstellen, was genau als Krise gilt, können wir sicherlich ein besseres Verständnis für die europäischen Avantgarden und die Moderne gewinnen. Was genau verstehen wir unter „Krise“? Ist Krise vor allem ein narratives Mittel? Gibt es jemals keine Krise? Gibt es Arten von Krisen, künstlerische oder andere, die wir bisher in den Studien der Avantgarde oder der Moderne vernachlässigt haben? Und welche (andere) Sichtweise(n) der Krise projizieren Avantgardisten und Modernisten selbst?

Zweitens wollten wir die krisenreiche historische Entwicklung der Avantgarde und der Moderne erforschen. Während oft behauptet wird, dass der Krisenbegriff der Schlüssel zu einem angemessenen Verständnis der (späten) Moderne ist, sahen sich die europäischen Avantgarden und Modernisten während ihrer Entwicklung mit unterschiedlichen historischen Krisen konfrontiert. Inwieweit haben all diese Krisen, die sich über mehrere Jahrhunderte erstrecken, einen gemeinsamen Nenner? Welche Rolle spielen nationale und regionale Unterschiede im Zeitverlauf? Verändert sich das Projekt von Avantgarde und Moderne, entlang ihrer Kritik an Krise im Laufe der Zeit grundlegend oder nicht? Vorschläge, die eine historische Fallstudie erörtern oder mehrere historische Fälle aus verschiedenen Zeiten oder Regionen in Europa vergleichen, waren daher besonders willkommen. Drittens und schließlich haben wir begeistert Vorschläge ermutigt, die sich mit der praktischen Seite der Dinge in allen Bereichen der Avantgarde und der Moderne befassen: Kunst, Literatur, Musik, Architektur, Film, künstlerische und soziale Bewegungen, Lebensstil, Fernsehen, Mode, Theater, Performance, Aktivismus, kuratorische Praxis, Design und Technologie. Wie geben europäische Avantgardisten und Modernisten Krisen eine ästhetische Form? Welche Repräsentationsstrategien und -taktiken werden in ihrer Praxis angewendet? Welche affektiven (und anderen) Krisenerfahrungen ermöglicht ihre Arbeit? Welche Krisen bringen ihre experimentellen Praktiken mit sich – schaffen die Avantgarden und die Moderne tatsächlich eigene Arten von Krisen?

REALISMEN DER AVANTGARDE / REALISM(S) OF THE AVANT-GARDE.

Die historischen Avantgarden definieren sich selbst und werden von uns wesentlich über ihre Bezüge zu diversen Formen von Realismus definiert:
(1) Sie setzen sich zumeist vehement von Realismen des 19. Jahrhunderts ab.
(2) Sie behaupten dabei aber oftmals, einen wahren Realismus (oder Sur-Realismus) zu praktizieren, weil sie der Primärwirklichkeit durch ihre Verfahren näher kämen als traditionelle Künste.
(3) Sie werden dann ihrerseits von Bewegungen wie der Neuen Sachlichkeit, dem Magischen Realismus, Spielarten politischer oder auch populärer, marktkonformer Kunst abgelöst, die ebenfalls behaupten, wieder ‚realistischer‘ zu werden und sich der Wirklichkeit zuzuwenden.
(4) Noch die Neo-Avantgarden und andere Strömungen von der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute müssen sich immer wieder im Verhältnis zu Formen von Realismus verorten (z.B. bezeichnet Mario Amaya Pop als „the New Super Realism“).
Die Tagung untersuchte die unterschiedlichen Formen von ‚Realismus‘, die durch die Avantgarden (und gegen sie) entworfen werden, und damit nach Formen des Wirklichkeitsentwurfes und -bezuges von Kunst, Programmatik und Medien. ‚Realismus‘ kann sich dabei auf Verfahren (prijom) ebenso beziehen wie auf Diskurse, auf die Repräsentation von Wissen (etwa der Naturwissenschaften oder der Esoterik), auf politische Ideologien oder Anwendungen in der Praxis.
Gefragt waren Beiträge aus allen Bereichen der Avantgarde- und Moderne-Forschung zu Kunst, Literatur, Musik, Theater, Architektur, Film, Medien, künstlerischen, sozialen, politischen, philosophischen und esoterischen Bewegungen, Lifestyle, Mode, Design und Technologie.

Keynote Speaker waren EAM-Gründer, Direktor des MDRN research lab und Vorsitzender der Abteilung für Theory and Culturall Studies an der Universität Leuven Sascha Bru zu “Representation and History: Realist and Avant-Garde”, der ehemalige IFK-Direktor Helmut Lethen zu „Unter dem Pflaster ist die Kanalisation oder War das Böse für die historischen Avantgarden das wirklich Reale?“ sowie die Literaturhistorikerin und -theoretikerin Miglena Nikolchina, Professorin am Institut für Literaturtheorie an der Universität Sofia, Bulgarien mit “From the Impossible to the Virtual: Kristeva’s Concept of ‘Signifiance’ and the Returns of the Avant-garde”.

Insgesamt präsentierten 59 Panels mit je 4 Vortragenden ihre Forschungen.

Aus dem Avantgardeforschungsnetzwerk ViennAvant, das mit EAM kooperiert, stellten Laura Tezarek, Helmut Neundlinger, Ingrid Fürhapter und Markus Ender ihre Arbeit vor: 

Im Panel 21 NEO-AVANTGARDEN WIEN trug Laura Tezarek von der Universität Wien die Arbeit ihrer Gruppe zu Andreas Okopenkos Lexikon-Roman unter dem Titel „Aus der Lektüre in die Welt“ vor.
Obwohl der Schriftsteller Andreas Okopenko (1930–2010) im österreichischen Literaturbetrieb der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine herausragende Rolle in der Vernetzung der Nachkriegsavantgarde spielt, ist sein Werk bisher noch wenig erforscht worden. Okopenko distanziert sich auf der einen Seite von einer radikaleren Avantgarde wie der „Wiener Gruppe“, grenzt sich aber auch nachdrücklich von reaktionären Tendenzen der Nachkriegsliteratur in Österreich ab und nimmt damit eine Zwischenstellung ein, die sich auch in seinen literarischen Texten widerspiegelt. Insbesondere in seiner Prosa provoziert er in formaler Hinsicht und stellt sich zeitgenössischen Lektüregewohnheiten entgegen. „Ich will Sie […] aus der Lektüre in die Welt befreien“: So beschreibt Okopenko das Ziel seines Lexikon-Romans (1970). Die Textbestandteile des Romans sind alphabetisch nach Schlagwörtern angeordnet, wobei die Lesenden verschiedene Wege durch das rhizomartige Werk wählen können: Linear von A bis Z, „wahl- und gedankenlos“ blätternd, mit dem Würfelspiel eines Kindes oder über Hinweispfeile der Reise des Chemiekaufmanns J. folgend. Aber die letzte Variante ist nur eine unter vielen, weil eine solche Geschichte nicht „die Welt in ihrer Möglichkeitenstruktur, mit all den denkbaren Verzweigungen“ (Okopenko) zeigen würde. In mehreren Essays legt Okopenko sein Verständnis von „Welt“ und „Wirklichkeit“ dar, das im Kontext seiner Auseinandersetzung mit Realitätskonzeptionen der „Wiener Gruppe“ gelesen werden muss. Von dieser trennt ihn der Umstand, dass für ihn „die Übertragung erlebter Primärwirklichkeit im Mittelpunkt“ steht, ein „dichterisches Fangerlspiel mit der Wirklichkeit“, wie es im Lexikon-Roman heißt, das diesen als Mikromodell der Welt vorführen soll. Der Vortrag analysiert Okopenkos Realitätsverständnis, wie es sich im Lexikon-Roman zeigt, im Kontext der österreichischen Nachkriegsavantgardeliteratur. Bezug genommen wird u.a. auf noch auf unveröffentlichte Dokumente aus Okopenkos Nachlass im Literaturarchiv der österreichischen Nationalbibliothek, um tiefere Einblicke in die Entstehung dieses Romans zu erhalten.

Helmut Neundlinger von der Donau Uni Krems untersuchte in seinem Vortrag „Revolutionäre (Anti-)Realisten“ Schreiben als Protestarbeit an der Wirklichkeit bei Bernward Vesper und Oswald Wiener.
Bernward Vespers Fragment gebliebener Roman-Essay Die Reise und Oswald Wieners die verbesserung von mitteleuropa, roman attackieren die politischen und ästhetischen Zurichtungen der Wirklichkeit mit jeweils unterschiedlichen Mitteln. Nimmt man die Zeitgeschichte bzw. die lebensweltlichen Umstände der beiden Autoren in den 1960ern in den Blick, erscheint die ironisch-verzweifelte Militanz ihrer Sprache zunächst als radikal antirealistisches Programm: Die Romanform wird gesprengt und umgeformt in unterschiedliche Techniken der Sezierung (bei Wiener Aphorismus, Kalauer, Selbstbeobachtung, bei Vesper Cut up, Rauschprotokoll, Selbstkritik). Die Auflösung / Sprengung betrifft in letzter Konsequenz das Subjekt als Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Wirklichkeitsform. Auf den Trümmern dieser Resonanzkatastrophe wächst ein neuer, in vielerlei Hinsicht anderer Zugriff auf das Wirkliche. Es erscheint gleichsam als Utopie, als Versprechen, das sich im Denken und Schreiben bereits realisiert. Vespers permanenter Drogen- Selbstversuch konterkariert die klassische Bildungsreise und entwickelt sich zum Protokoll einer Suche nach einer neuen, umfassend erweiterten Realität. Oswald Wiener wiederum forscht im Kapitel zum „konzept des bio-adapters“ nach einer Erweiterung der Erkenntnisinstrumente, mit denen die Grenzen des Fühlens und Denkens überwunden werden können. Eine vergleichende Lektüre dieser beiden epochalen Texte der deutschsprachigen Avantgarde-Prosa der späten 1960er Jahre soll die Unterschiede, aber auch Überschneidungen zwischen dem K1- und R.A.F.-Milieu bzw. dem Umfeld des Wiener Aktionismus aufzeigen und verdeutlichen, inwiefern Wiener und Vesper innerhalb dieser subkulturellen Mikrokosmen wiederum Partisanen-Positionen einnehmen.

Den beiden wurden im Panel NEO-AVANTGARDEN WIEN Lehel Sata von der Universität Pécs mit ihrem Vortrag „ jetzt ist was ich denke”. Zum Realismus-Begriff der Wiener Gruppe. Und die Isländerin Sólveig Guðmundsdóttir, die derzeit an der Universität Münster forscht, mit „Transgressing Boundaries. Aspects of Reality in Otto Muehl’s Oeuvre” zur Seite gestellt.

Im Panel 57 „EXPRESSIONISMUS präsentierten die ViennAvant-Mitglieder Markus Ender und Ingrid Fürhapter, Universität Innsbruck, unter dem Titel „Vom Wissen um die „wahre Wirklichkeit“ und die „geistigen Realitäten“. Wirklichkeitsentwürfe und Realismuskonzepte im Umfeld von Bruno Adlers Utopia.“ Dokumente der Wirklichkeit und Ludwig von Fickers Zeitschrift Der Brenner.
Im Vorwort der programmatischen Schrift Utopia. Dokumente der Wirklichkeit (1921) verweist deren Herausgeber Bruno Adler auf eine neue Bewegung, derer „die Zeit bedarf […]: die ‚Brenner‘-Bewegung.“ Gemeint ist die Gruppierung rund um die von Ludwig von Ficker herausgegebene Innsbrucker Kulturzeitschrift Der Brenner (1910–1954), die, zunächst als Avantgarde-Sprachrohr konzipiert, sich nach dem Ersten Weltkrieg im Rückgriff auf die Philosophie Kierkegaards sowie auf Ferdinand Ebner (Das Wort und die geistigen Realitäten. Pneumatologische Fragmente (1921)) im Sinne einer geistigen Erneuerung repositionierte. Adler beabsichtigte eine Kooperation mit Ficker und anderen Brenner-Mitarbeitern (Dallago, Haecker und insbesondere mit Ebner, der bereits 1919 über den Komponisten Josef Matthias Hauer den Maler Johannes Itten kennengelernt hatte); sein Interesse lag darin begründet, dass er Gemeinsamkeiten im Konzept der Utopia und dem Brenner sah. Zu einer Zusammenarbeit kam es jedoch nicht, Ebner und Ficker distanzierten sich schnell. Der Vortrag möchte unter Einbeziehung des umfangreichen Ficker-Briefwechsels zunächst der Frage nachgehen, weshalb Adler 1919/20 den „Brenner“ – ein Periodikum aus der kulturellen Peripherie abseits der Zentren – als Orientierungsgröße ansah. Zudem soll umrissen werden, welche Realismus- und Wirklichkeitsbegriffe im Zuge der kurzen Kontaktphase zwischen dem Bauhaus- Umfeld und der Brenner-Gruppe zur Sprache kommen und weshalb eine Kooperation nicht möglich war. Von beiden Seiten wird nach dem Krieg die Notwendigkeit „einer neuen wahren Welt der Formen und Sinne“, d.h. einer „neuen Wirklichkeit“ propagiert, doch auf formaler wie inhaltlicher Ebene weichen die Konzepte erheblich voneinander ab. Während die Kunst in Utopia als eine vom Menschen sich selbst gestellte Aufgabe im Sinne einer schöpferischen Tat interpretiert wird und sie dadurch – in Abgrenzung von „ekstatischen Konfessionen und Gebärden“ und trotz gleichzeitiger Betonung des Geistigen bzw. fast Esoterischen – eine Form von Immanenz betont, findet im Brenner zunehmend eine Hinwendung zu christlich-philosophischer Transzendenz statt, die explizit als Botschaft an die sündenbeladene Welt gerichtet ist.

Ihr Panel „EXPRESSIONISMUS“ wurde von den Vorträgen von Fabian Lutz, Universität Freiburg, „Wohl weiß ich, daß der Leib des Paralytikers verfällt“ Expressionistische Krankheitsnarrative zwischen realistischer Selbstdiagnose und existentiellem Erleben sowie von Sebastian Schmitt, Schwabe-Verlag, Marburg, „Vom Realismus moderner Übersetzungen. Albert Ehrensteins Nachdichtungen „frei nach dem Chinesischen“ ergänzt.

 

 

Europäisches Netzwerk für Studien zu Avantgarde und Moderne (EAM)

Das Europäische Netzwerk für Studien zu Avantgarde und Moderne (EAM) widmet sich der globalen Erforschung von literarischer und künstlerischer Avantgarde und Moderne im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert. Es ist das zentrale Anliegen des EAM-Netzwerks, die interdisziplinäre und intermediale Erforschung experimenteller Ästhetiken und Poetiken voranzutreiben und das Interesse an den kulturellen Dimensionen und Kontexten der Avantgarde und der literarischen Moderne zu fördern. EAM beabsichtigt, die methodologische Vielfalt der Studien zu Avantgarde und Moderne einzubeziehen, und lädt daher alle Wissenschaftler aus den einschlägigen Forschungsgebieten ein, an den internationalen Tagungen, die alle zwei Jahre organisiert werden, teilzunehmen und zur Online-Bibliographie beizutragen.

QUEST/INVESTIGATION

5. EAM-Konferenz 1.-3. Juni 2016 – Universität Rennes

2016 wird die EAM-Konferenz zu dem Thema Quest/Investigation an das Centre d’Études des Littératures et Langues Anciennes et Modernes (CELLAM) in Rennes (Frankreich) abgehalten werden.

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 Call

The fifth EAM congress invites scholars to consider the coupling of the notions of quest and investigation in works of art or movements of the avant-garde or neo-avant-garde, or of the various forms of modernism, even though modernism and the avant-garde seem often to have been constructed in opposition to the spiritual or scientific heritage suggested by these two terms.

The notion of quest suggests a metaphysical beyond informed by mysticism, implying the absence of an end or of a conclusion, whereas the notion of investigation implies a totally rational conception of reality and a process likely to bring a definite result and reach a conclusion. Coupling the two notions, quest/investigation, is therefore an invitation to overcome an initial paradox: the endlessness of the quest as opposed to the fixed scope of the investigation. The co-articulation of the two notions may shed some light on marginal or neglected works. It may also question the dialectical relationship between modern and anti-modern, between avant-garde and rear-guard, between insistent innovations and archaisms, acknowledged or disguised.

Whether dialectical or dynamic, the approach we suggest applies to all the fields or domains of research in the Arts, literature, aesthetics, cinema, photography, drama, T.V. or digital media, architecture, music, design.

Wieder Panel einer Forscherinnengruppe aus dem ViennAvant-Netzwerk

Anna Spohn, Katharina Jesberger und Stefanie Kitzberger haben zum Themenbereich “Laboratory Constructivism, early Video Community and Allan Kaprow” folgendes Panel eingereicht, das angenommen wurde:

Laboratory. Model. Experiment. Scientification and its Dialectical Matrix in the Avant-garde Arts

Summary of the Panel

The panel will consist of three lectures

Stefanie Kitzberger (Department of Art History, University of Applied Arts Vienna / IFK – International Research Center for Cultural Studies, Vienna): “Constructivist Models”

Katharina Jesberger (Department of Art History, University of Applied Arts Vienna): “The universe as laboratory. Research and techno-mythic belief in the video collectives around Radical Software”

Anna Spohn (Department of Art Theory, University of Applied Arts Vienna): “Becoming fluid? Allan Kaprow´s ‘experimental art’ between fixed scopes and open processes”

Translations of scientific concepts into art frequently manifest in the 20th century’s avant-garde art. Associated to both an open-ended innovation process and the idea of providing a scientific basis for a socio-political agenda, they reflect the dialectics of autonomy not only by escaping from conventional art vocabulary, but also by claiming a counter-aesthetic position.

This panel examines the consequences of such translations for the rhetorics and methods of artistic practices, for the medial or material status of their outcome: The objects and drawings of Laboratory Constructivism in Early Soviet Russia act as ‘models’ for art being transferred into the realm of industrial production. For the Video Communities around Radical Software art – a laboratory for social change – fuses with the technologized universe that has to be researched through the video and for Allan Kaprow the term ‘experiment’ is a mean to get rid of all predeterminations by the frameworks of art.

UTOPIA

4. EAM-Konferenz 29. – 31. August 2014 – University of Helsinki

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Zum Programm der Konferenz

Moderne und Avantgarde sind künstlerische Sprachen der Brüche. Beide Strömungen waren gegen die traditionelle Auffassung von Kunst gerichtet, und haben oft eine antagonistische Position in Beziehung zu bestehenden kulturellen und sozialen Institutionen und Beziehungen eingenommen. Diese Konferenz untersucht utopische Alternativen, welche modernistische und avantgardistische Künstlerinnen und Künstler der Gesellschaft ihrer Zeit angeboten haben.

Dies war nicht immer nur eine Frage der Annahme einer externen Position: die russische Avantgarde zum Beispiel wurde durch den frühen sowjetischen Staat in einer unangenehmen – und vorübergehenden – Allianz zur Geburt des „Neuen Menschen“ vereinnahmt. Die EAM 2014 Konferenz in Helsinki erinnert an den hundertsten Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs, indem sie als Ausgangspunkt die vielen utopischen Visionen innerhalb der europäischen Literatur und Kunst sowie deren Zusammenbruch im Angesicht der Schrecken des Krieges wählt.

Die Auswirkungen des Krieges erstreckten sich über das ganze folgende Jahrhundert, und die Konferenz wird auch die utopischen Dimensionen der Neo-Avantgarde, diskutieren: zum einen jene des Westen welche sich Alternativen zu Konformismus und Konsumgesellschaft erträumte oder jene des Ostens, mit seinen Alternativen zu sozialistischen Dystopia.

Der Call lud ein, Vorschläge und Beiträge aus Forschung und Praxis zu allen Bereichen der Avantgarde und des Modernismus: Kunst, Literatur, Musik, Architektur, Film, künstlerische und soziale Bewegungen, Lifestyle, Fernsehen, Mode, Theater, Performance, Aktivismus, Design und Technologie einzureichen, die sich mit den jenen Visionen, welche Moderne und Avantgarde als Alternative zur existierenden Realität angeboten haben, beschäftigen: Utopien, Chimären, Träume; Abstraktionen; Wünsche; Mythen; Dystopien, Stadtansichten und unmögliche Landschaften; Politik oder Anti-Politik; Vorstellungen vom Körper – befreit oder gefesselt; erotische Befreiung; Rückzug ins Private oder die Kartographierung von mutigen Alternativen; die Avantgarde als Alternative zum Staat, oder als dessen Verkörperung; das utopische Moment im nihilistischen oder abstoßenden Kunstwerk.

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Drei Teams aus dem Netzwerk ViennAvant haben bei der EAM 2014 ihre Forschungsergebnisse zum Konferenzthema vorgestellt:

Die Gruppe Irene Suchy (Musikwissenschaft), Hannes Schweiger (Literaturwissenschaft) – nun ersetzt durch Helmut Neundlinger, – Harald Krejci (Kunstgeschichte) und Rudolf Kohoutek (Architektur) präsentierte das Panel

“Schmäh. Humour as a constitutive element of Viennese post-war avant-gardes”

Einreichungs-Abstract

“Viennese Post War Avant-garde movements are still disregarded in respect of their interdisciplinary relationships and their international context. While Vienna was destroyed by war, dominated by hunger, and its cultural institutions were still bestridden by exponents of the former Nazi regime, new forms of artistic expression were brought into being by the concept of utopia. These Avant-gardists were driven by a radical break with the past. Despite formal differences between individual positions, it is possible to identify common aesthetic strategies: a propensity towards ritual as well as humour – an aspect often overlooked:”

“As a constitutive component of the Viennese Post-War Avant-garde movements, the panel analyzes a special humour in sense of fictionalizing reality. Our research departs from Gertrud Koch’s theses, cultural scientist, who works on a proleptic concept of humour, elaborated from Nietzsche, Husserl and Peter L. Berger. With humour as such strategy of perspectival decentering, these avant-gardists produced a utopian world in contrast to their political and social reality, which they refused.”

“The proposal aims at developing a scientific approach that draws on works by Otto M. Zykan and Kurt Schwertsik in music, Ernst Jandl and Gerhard Rühm in literature, Friedensreich Hundertwasser in fine arts, Zünd up and Missing Link in architecture.”

Summary des Panels

“Die Arbeit setzt mit dem Versuch einer Begriffsklärung ein: Lässt sich überhaupt eine eindeutige Definition von Humor finden, und welche Aspekte müsste eine solche umfassen? Alltagssprachlich wird unter dem Stichwort Humor Verschiedenes und zum Teil Widersprüchliches subsumiert: Ironie, Parodie, Nonsense, das Lächerliche ebenso wie das Groteske, das Skurrile oder Makabre, das Hinterfotzige, die Verhöhnung oder die Verhetzung.. Ebenso zahlreich wie seine Ausprägungen erscheinen auch die Ansätze, ihn hinsichtlich seiner Präsenz nicht zuletzt im Bereich der künstlerischen Avantgarde zu beschreiben. Der französische Surrealist Andre Breton hat ihn mit seiner legendären „Anthologie des schwarzen Humors“ zu einer zentralen Strategie progressiven Kunstschaffens geadelt. Nicht nur in den Werken der Surrealisten übernimmt er die Funktion der Provokation, der Infragestellung, der Umkehrung bestehende Verhältnisse und öffnet auf diese Weise auch Räume für zukünftige, utopische Weltentwürfe.”

“In diesem Sinn hat der Humor im Kontext der Avantgarde nicht nur eine rein ästhetische, sondern darüber hinaus auch eine eminent politische Komponente. Er verweist einerseits auf das historische Davor, indem er via Schmäh, Witz und subversivem Gestus die traumatischen Erfahrungen des Totalitarismus verarbeitet, und auf ein Danach, indem er nicht bloß das „Herrschende“ dekonstruiert, sondern neue, konstruktive ästhetische und politische Standpunkte ermöglicht.”

“Diese Dimension betrifft sämtliche künstlerischen Disziplinen und die innerhalb und zwischen diesen Disziplinen auftretenden und agierenden Gruppen. In Einzelstudien zu Musik, bildender Kunst, Literatur und Architektur von Vertretern des Netzwerks ViennAvant soll gezeigt werden, dass und inwiefern die Künstler und Künstlerinnen der Wiener Nachkriegs-Avantgarde prägend an der gesellschafts-politischen und zeithistorischen Auseinandersetzung beteiligt waren.”

“Der viel beschworene „Schmäh“ in seinen vielfältigen Ausformungen kann darin als eine bedeutende ästhetische Strategie der Kunst identifiziert werden. Die Künstlerinnen und Künstler entdeckten darin nicht zuletzt eine Möglichkeit, eine antifaschistische, anarchistische, pazifistische oder auch humanistische Haltung einzunehmen. Im Schmäh formuliert sich jene musikalisch-gestisch-performative-mediale Sprache, die die verdrängten und verschwiegenen Epochen des Austrofaschismus und der NS-Zeit auf unhintergehbare Weise vergegenwärtigt.”

“In den Analysen der Werke werden die Ausgangspunkte des Witzes im Irrtum und Missverständnis, in unglücklichen Aussprüchen und im Hierarchiegehabe, im Hoheitsgehabe und in seinen Belegen im Publikumsverhalten – dem befreienden Gelächter – dokumentiert und in Gesprächen mit den ProtagonistInnen in Frage gestellt. Auch das charakterisiert diese Epoche und die Arbeit an ihr: ProtagonistInnen und DokumentaristInnen gehen nicht nur über die Grenzen der Kunstkategorien und der Tabus, sondern sie pflegen in ihren Arbeits- und anderen Verhältnissen auch gelegentlich ihre Positionen zu tauschen. Befragt werden Lore Heuermann und Friedrich Achleitner, Kurt Schwertsik und H.K. Gruber, Gottfried Schlemmer und Ferry Radax, Hermann Czech und Marie Thérèse Escribano, Wolf D. Prix und VALIE EXPORT.”

“Zu den einzelnen Beiträgen: Ausgehend von Zykans polemischer Arie und den identifizierten Parametern des Witzes befasst sich Irene Suchy mit dem Werk Schwertsiks, Rühms und HK Grubers. In der Literatur identifiziert Helmut Neundlinger mit der Frage „wo bleibb da hummooa“? die befreienden Erschütterungen des Lachens an Ernst Jandl oder Gerhard Rühm. Harald Krejci sucht ironische Wenden im Werk Hundertwassers und anderer Malerei und Rudolf Kohoutek untersucht die Architektur der 50er bis 70erJahre auf ihre humorvoll-witzige Komponente.”

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Das Projekt wird vom Bundeskanzleramt sowie der österreichischen Botschaft in Helsinki gefördert.

Gabriele Jutz von der Universität für Angewandte Kunst, Wien, und ihre Kolleginnen Nina Jukic und Christina Pia Hofer das Panel

“The Utopian Potential of the Obsolete”.

“Today, obsolescence is a relevant topic not only in artistic practices, but also in popular culture. This panel addresses the question why there is this interest today and how the obsolete can serve critical, even utopian purposes. Nina Jukic analyzes how the current resurrection of analogue photography in popular culture reflects utopian desires to resist the digital abundance of the modern world, yet relies on capitalism itself. Kristina Pia Hofer will focus on the example of Herschel Gordon Lewis’ exploitation-feminist utopia She-Devils on Wheels (1968), whose appeal to later queer/feminist engagement has roots in the insistent presence of obsolete technology. Gabriele Jutz will deal with the historical avant-gardes, showing that their attitude to the new technologies of (audio)visual reproduction was retrograde, but necessarily so, given their radical utopian aspirations.”

Ingrid Fürhapter und Markus Ender vom Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Universität Innsbruck hielten in einem offenen Panel den gemeinsamen Vortrag

„Immer eines Kommenden trächtig?“ Utopische und apokalyptische Visionen in der Zeitschrift „Der Brenner“ (1910 – 1954)

eam7“1910 gründete Ludwig v. Ficker in Innsbruck die kunst- und kulturkritische Zeitschrift Der Brenner, die als einzige der wenigen Kulturzeitschriften Europas beide Weltkriege überdauerte. Sie wurde zunächst von Carl Dallagos utopischer Idee des selbstbestimmten, mit sich und der Natur in Einklang stehenden Menschen geprägt, die bald vom Konzept einer religiösen Individualität, die den Sprung in den Glauben wagt, überlagert wurde. Georg Trakl und Theodor Haecker betonten zunehmend die individuelle und allgemeine Schuld des Menschen und der erlösungsbedürftigen Schöpfung. Liebesutopien von der dionysisch-rauschhaften Verschmelzung von Mann und Frau trafen auf apokalyptische Vorstellungen, die zwischen Unschuld, schuldhafter Verstrickung, Sehnsucht nach Reinheit und Hoffnung auf Erlösung und Auferstehung zu einem neuen Menschentum changierten.”

“Der Vortrag zeicheam5net nach, wie der Brenner seine ursprüngliche partielle Aufgeschlossenheit gegenüber der expressionistischen Moderne, die von der Konzeption des Neuen Menschen inspiriert war, verliert. Es soll gezeigt werden, wie über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten verschiedenste Vorstellungen von Utopien und Apokalypsen kompiliert werden, die nach dem Zweiten We ltkrieg in eine Synästhesie der eschatologisch-mystischen Visionen Paula Schliers mit Ignaz Zangerles wertkonservativer, kirchlich-katholisch überformter Utopie von der Dichtung als Offenbarung der verborgenen Heilsgeschichte münden, derzufolge der Dichter der Zukunft zur Wirklichkeit verhelfe, „indem er sie heute schon als möglich erscheinen“ lasse.”

Die sehr große Konferenz – 23 Closed Panels, 22 Open Panels und 2 Peer Seminares und 231 Einzelvorträgen – , die Avantgarde- und Moderne-ForscherInnen aus der ganzen Welt vereinte, war hervorragend organisiert.

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Die Teilnahme der drei ViennAvant-Teams war sehr erfolgreich: Bei 10 gleichzeitig laufenden Sessions waren die Panels „Schmäh. Humour as a constitutive element of Viennese post-war avant-gardes“ der Gruppe Irene Suchy, Harald Krejci, Helmut Neundlinger sowie “The Utopian Potential of the Obsolete” der Gruppe Gabriele Jutz und auch der Vortrag von Ingrid Fürhapter und Markus Ender gut besucht. An die Präsentationen schloss sich rege Diskussionen mit hoch qualfizierter internationaler ZuhörerInnenschaft. Mit weiteren KollegInnen von europäischen und amerikanischen Universitäten wurden Kontakte geknüpft.

Die Publikation der Vorträge im EAM-Tagungsband wird dazu beitragen, die Aufmerksamkeit der zu Modernismus und Avantgarden forschenden internationalen Scientific Community auf die bisher international unterrepräsentierte Österreichische Nachkriegsavantgarde zu lenken. Sie wird auch als pdf auf der Homepage abrufbar sein.

Die Teilnahme der Forscherinnen und Forscher an dieser Konferenz ist ein starker Impuls für die Arbeit des Vereins ViennAvant, dessen Anliegen die integrativen Erfassung, Aufarbeitung und zusammenfassenden Darstellung der Strömungen der Wiener Nachkriegsavantgarden und ihrer österreichweiten wie internationalen Vernetzungen ist. So wird der Verein im kommenden Jahr in Kooperation mit dem Institut für Germanistik an diesem eine interdisziplinäre Ringvorlesung zur Nachkriegsavantgarde mit internationaler Beteiligung veranstalten.

Eine erfreuliche Nachnutzung ist die Publikation der Beiträge der Gruppe Irene Suchy, Harald Krejci, Helmut Neundlinger und Rudolf Kohoutek im Band „Schmäh. Der Witz der Wiener Avantgarde“, der von der MA7/Wissenschaft finanziert wird. Er wird im Verlag Bibliothek der Provinz edition seidengasse erscheinen und im kommenden Jahr im Rahmen der Wiener Vorlesungen in Raabs präsentiert werden.

Konferenz Veranstalter und EAM Netzwerk Vorsitzende:

Prof. David Ayers, University of Kent, UK
Dr. Marja Härmänmaa, University of Helsinki, Finnland

Das wissenschaftliche Komitee der EAM 2014 Konferenz:

eam4 Professor Henry Bacon, University of Helsinki / Professor Natalia Baschmakoff, University of Eastern Finland / Dr. Irmeli Hautamäki, Universität Helsinki / Professor Tomi Huttunen, Universität Helsinki / Dr. Teemu Ikonen, Universität Helsinki / Dr. Timo Kaitaro, Universität Helsinki / Dr. Janna Kantola, Universität Helsinki / Professor Pirjo Lyytikäinen, Universität Helsinki / Professor Hannu Riikonen, Universität Helsinki / Dr. Riikka Rossi, University of Helsinki / Professor Pekka Pesonen, Universität Helsinki / Professor Kirsi Saarikangas, Universität Helsinki / Professor Riikka Stewen, Akademie der Bildenden Kunst / Professor Harri Veivo, University of New Sorbonne / University of Helsinki

Material Meanings

3. EAM-Konferenz 7. -9. September 2012 – University of Kent

David Ayers, Professor für Modernism and Critical Theory an der University of Kent bereitet diese dritte Biennal-Konferenz des European Network for Avant-Garde and Modernism Studies (EAM) vor.

Zum Thema der Konferenz:

Die ‚Material Meanings’ Konferenz untersuchte avantgardistische Rekonfigurationen von Stoff und Materie, die auf der Suche nach neuen Bedeutungen und Effekten entstehen. Der Schwerpunkt der Konferenz lag in der Analyse interdisziplinärer Überschneidungen und Adaptionen von Strategien, Theorien und Techniken sowie darin, wie in unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen Konzeptionen und Ausdrucksformen disparater Zeichensysteme übersetzt, transformiert und inkorporiert werden.
http://www.kent.ac.uk/english/materialmeanings/index.html?tab=german

Beiträge setzten sich mit folgenden Thematiken auseinander:

den Interferenzen und Konflikten zwischen künstlerischen Disziplinen;
den Kombinationen verschiedener Medien in individuellen Kunstwerken oder in künstlerischer Praxis;
der Konzeption von Zeichen als Material und von Material als Zeichen;
der Materialität der Kunst und der Kunst der Materialität;
der Kunst und ihrer materiellen Umwelt;
der Welt als Material und Bedeutung;
dem Text als Objekt und dem Objekt als Text;
der Transfigurierung von traditionellen oder gefundenen Materialien;
den materialen Wirkungen der Avantgarde;
den Beziehung zwischen Manifesten und Kunstwerken;
der Technologie und der Transformation ihrer Bedeutungen;
und der Inkorporation des ‚Anderen’.

Es gab Beiträge zu allen Feldern avantgardistischer Aktivität: der Kunst, Literatur, Musik, Architektur und dem Film, künstlerischen und sozialen Bewegungen, Lifestyle, TV, Mode, dem Drama und der Performance, dem Aktivismus, Design und der Technologie.

Im Panel „Concrete Signs & Traces of Matter: Challenging the Material Limits of Media in Post-war Avant-gardes” gab es Vorträge von
– Thomas Eder, “Concrete Poetry and Matter: Exemplification and weak synaesthesia.”
Gabriele Jutz (chair) “Trace, Gesture, Relic: Echoes of the Index in Experimental Cinematic Practices.”
– Wolfgang Müller-Funk “Quad, square and the salient point. Semiosis in the oeuvre of Friedrich Achleitner.”

Thomas Eder berichtete von großem Interesse für die Thematik der österreichischen Nachkriegsavantgarden speziell in der britischen Forscherinnencommunity und von geplanten Übersetzungen.

Zum gesamten EAM 2012 Draft Programm

High & Low

2. EAM-Konferenz 9. – 11. September 2010 – Adam Mickiewicz University, Poznań / Polen.

An dieser zweiten EAM-Konferenz nahm Gabriele Jutz von viennAvant wieder teil, diesmal im Rahmen einer großen, von Wolfgang Müller-Funk geleiteten Session “Avantgarde-Literatur und –Film im zentraleuropäischen Kontext”.

Das Referat von Gabriele Jutz beschäftigte sich mit “Anwendungen von László Moholy-Nagys Produktion-Reproduktion in Film und Medienkunst”

EUROPA ! EUROPA ?

1. EAM-Konferenz 29.-31. Mai 2008 – Universität Gent, Belgien

Auf Initiative des Nordic Network of Avant-Garde Studies hat sich das europäische Netzwerk für Avantgarde- und Moderneforschung EAM gegründet und hat Ende Mai 2008 in Gent seine erste Konferenz zum Thema “Europa! Europa?” ausgerichtet. Dazu wurde ein Call für multidisziplinäre Panels, bestehend aus ReferentInnen zu drei verschiedenen Disziplinen und einem Moderator, ausgeschrieben.

Ein Team aus ViennAvant mit Thomas Eder für Literatur, Gabriele Jutz für Filmwissenschaft und Bernhard Steger und Rudi Kohoutek für Architektur erarbeitete ein Konzept, und die Einreichung “Die Verbesserung von Mitteleuropa aus dem Fundus lokaler Traditionen. Nachkriegsavantgarden in Wien 1945–1970” wurde trotz starker Konkurrenz für die Konferenz ausgewählt.

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Foto © Gunther Martens

Die einzelnen Referate waren:

– Thomas Eder (Universität Wien): “grauen, namloses grauen”. Pragmatische Umwertung des Vorhandenen in den Arbeiten der Wiener Gruppe.
Gabriele Jutz (Universität für angewandte Kunst Wien): Die Politik des Dialekts in der österreichischen Filmavantgarde
Rudolf Kohoutek / Bernhard Steger (Technische Universität Wien): Wiener Architektur 1955–1970: Avantgarde wider Willen, aber erst recht
– Moderator des Panels war Wolfgang Müller-Funk.

Die Präsentation der Gruppe stieß auf großes Interesse.