{"id":2408,"date":"2016-12-15T11:57:34","date_gmt":"2016-12-15T11:57:34","guid":{"rendered":"http:\/\/viennavant.cloud.d2mc.com\/?page_id=2408"},"modified":"2016-12-15T11:57:34","modified_gmt":"2016-12-15T11:57:34","slug":"referat-brigitte-borchhardt-birbaumer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.viennavant.at\/en\/symposium-teststrecke-kunst-wiener-avantgarden-nach-1945\/koerper-und-medium\/referat-brigitte-borchhardt-birbaumer\/","title":{"rendered":"Referat Brigitte Borchhardt-Birbaumer"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Borchhardt3.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-663\" src=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Borchhardt3-300x200.jpg\" width=\"430\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Borchhardt3-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Borchhardt3-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Borchhardt3-272x182.jpg 272w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Borchhardt3.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 430px) 100vw, 430px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"content\">\n<div id=\"contentMain\">\n<h2>Aus der Stille handelnd intervenieren. Aktionistinnen in Wien<\/h2>\n<p>Die k\u00fcnstlerische Forschung von Carola Dertnig hat bereits mit der Ausstellung \u201eMothers of Invention\u201c im Mumok und der Publikation \u201eLet\u2019s twist again\u201c (gemeinsam mit Stefanie Seibold) 2006 bewiesen, dass die Aktionistinnen-Szene in Wien gr\u00f6\u00dfer und breiter hin zur Musik war als allgemein von der Kunstgeschichte beachtet. Es gibt auch immer noch wenig untersuchte spannende Positionen. Auf eine m\u00f6chte ich heute verweisen: Nur dank der Initiative von Meina Schellander ist der Nachlass von Rita Furrer (1939\u20132003 Abb.) erhalten geblieben \u2013 seit Sommer dieses Jahres k\u00f6nnen die vorher nur durch Fragmente und Fotografien sowie m\u00fcndliche \u00dcberlieferung bekannten Objekte und Aktionen der \u00d6sterreich-Schweizerin beforscht werden \u2013 es ist also ein \u201ework in progress\u201c, das ich Ihnen hier vorstelle.<\/p>\n<p>Motto der kurz nach 1970 einsetzenden permanenten Untersuchungen Furrers zum Thema K\u00f6rper und H\u00fclle ist das von der K\u00fcnstlerin statt Aktion oder Performance \u201eintervenierendes Handeln\u201c genannte Vorgehen, ein schweigendes Agieren in schwarzer Draperie, bezogen auf einen Ort, an dem kulturelle Veranstaltungen stattfinden, aber auch auf der Stra\u00dfe und an alten Kultpl\u00e4tzen. Furrers Anf\u00e4nge in der Keramik und Bildhauerei sind sehr bald nach ihrem Eintritt in die Meisterklasse Wander Bertonis an der Angewandten 1969 auf \u201edisziplin- und medien\u00fcberschreitende Konzepte\u201c und die N\u00e4he zum K\u00f6rper ausgerichtet. Ein Angebot, in die Klasse Wotrubas einzutreten, lehnte sie aus dem Grund ab, dass Steinbearbeitung ihr 1969 veraltet schien. Von der Keramik und durch ihren Vater, einen Zahnarzt, brachte sie Wissen um Kunststoffmaterialien und Wachsmischungen nach Wien mit, arbeitet daher mit Wachs-, Gipsabg\u00fcssen und Kunstharzen \u2013 allen neuen Materialien der Popkunst, aber auch in Richtung textile Kunst, die um 1970 als feministisches Non plus ultra galt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/handstudien.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-917\" src=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/handstudien-300x126.jpg\" width=\"430\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/handstudien-300x126.jpg 300w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/handstudien.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 430px) 100vw, 430px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/schwarzefigur.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1233 size-medium\" src=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/schwarzefigur-158x300.jpg\" width=\"158\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/schwarzefigur-158x300.jpg 158w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/schwarzefigur.jpg 168w\" sizes=\"auto, (max-width: 158px) 100vw, 158px\" \/><\/a>Aus der Mode der Pop-Art kommt die schwarz lackiert anmutende <span class=\"caps\">PVC<\/span>-Folie, die sie 1971 als Draperie anlegte, aber auch einen innen mit Kokosborsten ausgestatteten Rumpf einer Dreier-Torso-Gruppe mit weiblichen Merkmalen damit wie mit einer Haut umspannte. (Abb. 2)<\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"content\">\n<div id=\"contentMain\">\n<p>Dabei war ein \u201ebeweglich plastisches\u201c Werkempfinden ausschlaggebend. Die Untersuchung Innen\/Au\u00dfen (Haut, Perforierung, Nerven, Organe) war eines der Hauptthemen feministischer K\u00fcnstlerinnen der <span class=\"caps\">USA<\/span> (Kiki Smith, Yoko Ono Abb.5, Louise Bourgeois) \u2013 die Bewegung, die schnell auf Europa \u00fcbergriff, der \u201ekulturelle Feminismus\u201c (Sonja Distler, Psychologie) war auf der Suche nach den Urspr\u00fcngen des Weiblichen und weiblich dominierten Gesellschaften und G\u00f6ttinnen in pr\u00e4historischer Zeit vor der \u201eErfindung des Patriarchats\u201c (Gerda Lerner). Teilungen und Einblicke in K\u00f6rper sollten die Verletzungen aufzeigen, die neben den Frauen auch der Welt an sich durch die Entfremdung von K\u00f6rperlichem und Empfindungen durch dominanten m\u00e4nnlichen Logos passieren. Die K\u00f6rperdebatte der neuen Frauenbewegung erhob sich um 1970 \u00fcber die stofflich-materielle Reduktion der Frau, an der der \u201eGeschlechterkampf\u201c der Jahrhundertwende h\u00e4ngen geblieben war. In der Rationalit\u00e4tsm\u00fcdigkeit der Siebzigerjahre kam es, wie der franz\u00f6sische Soziologe Marc Bloch es nannte, zu einem \u201eprogressiven R\u00fcckbezug auf den Mythos\u201c, zu allererst den Mythos und die Utopie eines Matriarchats. Der Logos wurde als pervertiert in R\u00fcstungswahn und \u00f6kologischer Katastrophe verurteilt, die Frau als Retterin des Planeten, durch den direkten Bezug zur \u201einneren Natur\u201c stilisiert.<\/p>\n<p>AutorInnen wie Mathilde Vaerting (\u201eFrauenstaat-M\u00e4nnerstaat\u201c, Berlin 1973), E. Gould Davies, H. G\u00f6ttner-Abendroth, Robert von Ranke Graves, (die Relekt\u00fcre von) Berta Diener-Eckstein und der C. G. Jung-Sch\u00fcler Erich Neumann erfanden in freier, positiv umgem\u00fcnzter Rezeption des Basler Altertumsforschers (19. Jh.) Johann Jakob Bachofen das Fruchtbarkeitsidol der \u201eGro\u00dfen Mutter\u201c und setzen es in Bezug zum wiedergefundenen Urmysterium der Mutterschaft (Auf die Verweigerung \u201eMein Bauch geh\u00f6rt mir\u201c folgte der Slogan vom \u201eGrenzerlebnis\u201c Geburt), Frauen als positive Hexen, Schamaninnen und Tr\u00e4gerinnen der Urreligion und -kultur. Da lief parallel ein starkes Interesse f\u00fcr Magie, Astrologie, Mystik und Esoterik, aber auch die Suche in der Kunst nach einer spezifisch \u201eweiblichen \u00c4sthetik\u201c. Wir finden das alles sehr ausgepr\u00e4gt bei Rita Furrer, was heute nat\u00fcrlich durch die neuen Forschungen Lucy Irigaray, Julia Kristeva und \u201eQueer-Studies von Gayle Rubin und Teresa de Laurentis relativiert ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/venus.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1276\" src=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/venus.jpg\" width=\"200\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/venus.jpg 243w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/venus-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/venus-50x50.jpg 50w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>Die \u201eVenus\u201c von Willendorf aus durchsichtigem Gussharz (durchbrochen) bezeichnet sie als \u201elichtdurchflutete Befreiung aus schmerzlicher Verdr\u00e4ngung\u201c. Furrers Nachbildung des Originals strahlt in metallischem Glanz: die K\u00fcnstlerin versteht die seltsame korbhafte Kopfbedeckung der \u201eVenus\u201c ohne Gesicht als \u201eVerh\u00fcllung aus rituellen Gr\u00fcnden\u201c. Das spezielle Material soll die g\u00f6ttliche Transparenz verst\u00e4ndlich machen. (Abb. 3)<\/p>\n<p>Louise Bourgeois und Renate Bertlmann haben parallel nicht nur an den K\u00f6rper passende weiche Kunstharzobjektst\u00fccke erzeugt, die als zweite Haut anzusehen sind, sie thematisieren \u2013 Bertlmann mit dem ganzen Brautkomplex (auch Aktionen, Musa 2008 bei \u201ematrix\u201c) die Unterschiede \u2013 \u201eStreicheleinheiten\u201c sind weiblich, die spitzen Wurfmesser m\u00e4nnlich.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/erwachende.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-813\" src=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/erwachende-225x300.jpg\" width=\"200\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/erwachende-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/erwachende-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/erwachende.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>Ab 1975 hat Furrer verschiedene Wachs- und Kunstharzmischungen auch f\u00fcr Masken und Handgesten verwendet, sie begann damals f\u00fcr das Institut f\u00fcr die Geschichte der Medizin im Josephinum die Wachsmoulagen, teils zur Geburtshilfe, aus dem 17. und 18. Jahrhundert zu restaurieren. Davon zeugt auch noch der sp\u00e4tere \u00fcberlebensgro\u00dfer Kopf von 1986, restauriert von Meina Schellander (Abb. 4), den Furrer in der Secession im Jahr ihres Beitritts als \u201eErwachende\u201c zeigte.<\/p>\n<p>Ihre Diplomarbeit 1974 waren zwei Ganzk\u00f6rperabg\u00fcsse ihres Studienfreundes und Lebensabschnittsgef\u00e4hrten, des Malers Hans J\u00f6chl, 1976 hat sie diese Arbeit in einer Fotoserie auch in Fragmenten festgehalten und ver\u00e4ndert durch die Figur des K\u00fcnstlers dann im Rahmen einer Gruppenschau als \u201ePsychogramm\u201c in der Secession gezeigt. Ihr Kommentar: \u201eEine fertige m\u00e4nnliche Form will seinen Ort verlassen und strebt in einen anderen Bereich\u201c, die \u201etopografierende Fotografie\u201c h\u00e4lt \u201edynamisches K\u00f6rperwissen\u201c fest. In diesem Jahr fertigt Furrer f\u00fcr Arnulf Rainer Totenmasken an, die er fotografiert und \u00fcberarbeitet und dann auf der Biennale zeigt.<\/p>\n<p>Der Hohlk\u00f6rper der Gipsabg\u00fcsse ist f\u00fcr sie ein Verlassen der statischen Skulptur, eine \u00dcbertragung plastischer Momente auf den K\u00f6rper. Mit dieser Arbeit landet sie bei der Idee sich selbst zu verh\u00fcllen und aufzutreten. 1978 findet ihre erste Aktion als \u201eintervenierendes Handeln\u201c vor, um und in der Wotrubakirche am Georgenberg in Mauer vor, nach den Er\u00f6ffnungen und teils musikalischen Events unter Rainer Keuschnig, aber auch w\u00e4hrend einer Messe (bei der sie aus der Kirche gewiesen wird!) anl\u00e4sslich eines Avantgardefestivals statt. Vier Auftritte an vier Tagen sind eng mit dem Programm verkn\u00fcpft, reagieren auf andere, das ist immer mit im Konzept Furrers) \u201eAlle gro\u00dfen Formen des Frauenlebens zeigen die Gestalt der Frau verh\u00fcllt\u201c \u2013 Furrer spielt neben der Haube der \u201eVenus von Willendorf\u201c auf die schemenhaften Visionen der Muttergottes von M\u00e4dchen in Fatima und Lourdes als \u201ekosmisch-weibliche Dimensionen\u201c an, sie bezieht sich aber keineswegs auf islamische Verh\u00fcllungsgebote (damals \u2013 erst Kohmenis Gottesstaat in Persien zieht dies nach sich \u2013 herrschte au\u00dfer in Saudi-Arabien noch keine Gesamtk\u00f6rper-Verschleierung im gem\u00e4\u00dfigten Islam, nicht einmal einen Kopftuchdebatte, geschweige denn in Europa). F\u00fcr Roza el Hassan, die bosnische K\u00fcnstlerin, geht es in Zusammenarbeit mit der Serbin Milica Tomic mit \u201eTalking about overpopulation\u201c in der Secession 2000 schon um einen Aktion gegen die schwarz-blaue Regierung in \u00d6sterreich. Shirin Neshat (in den <span class=\"caps\">USA<\/span> lebende Iranerin) hat viel sp\u00e4ter in ihren Filmen \u00e4hnliche Bilder wie sie die Fotografien von Furrers Landschaftsaktionen beschreiben: sich kreuzende Wege, Figuren in Feldern.<\/p>\n<p>Bei Furrer ist die Bez\u00fcglichkeit zum \u201ekulturellen Feminismus\u201c klar in einem Zitat von 1978 zu h\u00f6ren: \u201eWenn ich mich verh\u00fclle, verbinde ich meinen Wunden. Wenn ich mich verh\u00fclle, erwarte ich das Zugest\u00e4ndnis, mich in mein eigenes Zentrum zur\u00fcckziehen zu d\u00fcrfen. Ich finde Beachtung ohne \u201egesehen\u201c zu werden. Ich beziehe mich auf den Ort und die Handlungen, die durch Drittpersonen an diesem Ort vollzogen werden. Die Verh\u00fcllung bringt mir die Erfahrung, meinen K\u00f6rper nicht nur im Spiegel m\u00e4nnlicher Projektionen erleben zu k\u00f6nnen, sondern als Netzwerk unterschiedlicher Bezugsm\u00f6glichkeiten\u201c. Mehrere Aspekte sind f\u00fcr heutige K\u00fcnstlerinnen aktuell geblieben: das \u201eintervenierende Handeln\u201c gilt auch in der repolitisierten Kunst ab den 90er Jahren als relevanter Begriff, der Aspekt des Teamworks und die Verweigerung gegen\u00fcber sexuellen Klischees und konsumistischem Missbrauch des weiblichen K\u00f6rpers in Werbung und Pornografie sowie das Ephemere.<\/p>\n<p>Die K\u00f6rpernegierung, Bedeckung ist f\u00fcr Furrer ein Zeichen der \u201enat\u00fcrlichen Beziehung zum Metaphysischen\u201c, sie glaubt an Berta Diener-Ecksteins Amazonentheorie und Robert von Ranke-Graves (u.a.) zeitgeistige Behauptung: \u201eDie Mysterien kommen durch die Frau in die Welt, nicht durch den Mann\u201c \u2013 ihr Arbeit als \u201eMultimediak\u00fcnstlerin\u201c begr\u00fcndet sie folgenderma\u00dfen: \u201eAlles, was ich gestalte, ger\u00e4t in die N\u00e4he eines Mysterienspiels oder so \u00e4hnlich\u2026\u201c Verbunden sind politische Statements f\u00fcr den Weltfrieden, gegen Aufr\u00fcstung und biologische Waffen nach der atomaren Bedrohung. \u201eLeintuchschatten\u201c betitelt sie ihr \u201eintervenierendes Handeln\u201c neben dem Beitrag eines Proteststatements am Leintuch f\u00fcr den Grazer steirischen herbst im forum stadtpark 1979 gemeinsam mit den K\u00fcnstlerinnen der IntAkt, denen sie 1978 beigetreten ist. (Abb. 5)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/leintuchschatten.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1050\" src=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/leintuchschatten-300x225.jpg\" width=\"430\" height=\"322\" srcset=\"https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/leintuchschatten-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/leintuchschatten.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 430px) 100vw, 430px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Eine Konzentration nach Innen demonstriert auch \u201eStandhalten\u201c, ihr Auftritt oder An-Gehen gegen die m\u00e4nnlich dominierte Versammlung in Monsignore Mauers Galerie n\u00e4chst St.Stephan am Aschermittwoch 1981. Sie schritt, sehr zur \u00dcberraschung der Passanten in der K\u00e4rntnerstra\u00dfe jene bis zum Graben (Pests\u00e4ule) in schwarzer Verh\u00fcllung ab, um dann vor einer wei\u00dfen Stoffbahn am Stock im Eisen-Platz einen \u201erituellen Tanz\u201c von reinen Gesten \u2013 ohne Entschleierung, zu absolvieren. Auf Anregung von Bodo Hell hat Lotte Hendrich-Hassmann, von der alle Fotos dieser Aktion stammen, das von der Aida gegen\u00fcber festgehalten. Furrers Repr\u00e4sentationsverweigerung als geschlechtliches Wesen \u2013 also eigentlich als eine Art \u201eAndrogyn\u201c, wie sie es gegen\u00fcber IntAkt-Kollegin Karin Mack beschrieb, durch die Verh\u00fcllung hat durch die Stille der Aktion (inversives Verhalten als typisch weiblich zu entziffern) gro\u00dfe Irritation des Publikums ausgel\u00f6st, da es einen doppelte Sprachlosigkeit, einen teilweise L\u00f6schung verst\u00e4ndlicher Theatralik mit sich bringt, die andere, ungew\u00f6hnliche und vielf\u00e4ltig lesbare R\u00e4ume schafft.<\/p>\n<p>Ein H\u00f6hepunkt in Furrers Performerinnenkarriere war der Auftritt in Wuppertal 1980: das Von der Heydt-Museum feierte \u201eTreffpunkt Galerie Parnass\u201c 1949\u20131965, in der nach Calder, Hundertwasser, Wols und Corbusier ber\u00fchmte Fluxusk\u00fcnstler ihre Erstpr\u00e4sentationen gehabt hatten. Furrer hatte erstmals mehrere schwarze und einen wei\u00dfe Gestalt im Raum als \u201eEnvironment\u201c aufgestellt, um sie in die stille Intervention zur Er\u00f6ffnung parallel zu einer Rede von Bazon Brock (und wer ihn kennt, wei\u00df dass diese der absolute Gegensatz von Dauererde und Schweigen ist) einzubauen. Wie beim bekannten englischen Bildhauer Anthony Gormely sind es immer Selbstabg\u00fcsse, die sie \u201eBilderschatten\u201c nannte. Sie sollten, von ihr selbst verh\u00fcllt umwandert, klingende, archaische Bewegungen vermitteln, dazu kam von Hans Hartel Tonklang und einen Lesung von Christine Leinfellner (Abb. 6)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer4.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-878 size-medium\" src=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer4-200x300.jpg\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer4-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer4-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer4.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer5.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-879 size-medium\" src=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer5-200x300.jpg\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer5-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer5-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer5.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer6.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-880 size-medium\" src=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer6-200x300.jpg\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer6-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer6-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer6.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer7.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-881 size-medium\" src=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer7-200x300.jpg\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer7-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer7-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/Furrer7.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>Im Hintergrund ist auf einem Riesenfoto Joseph Beuys in Verquickung mit seinem geliebten Fettkeil zu sehen \u2013 er hielt sich auch w\u00e4hrend der Veranstaltung im Raum auf, erlitt einen Schw\u00e4cheanfall, die Rettung kam, Furrers Intervention ging ein wenig im Trubel unter. Sie machte sich sp\u00e4ter lustig, indem sie meinte, er sei wegen ihrer intuitiven Rituale umgekippt. Als Sender und Empf\u00e4nger im ganzheitlich-esoterischen Sinn verstanden sich beide: nicht nur in ihrer Kunstpolitik und dem Blick zur\u00fcck in die zu aktualisierende Pr\u00e4historie, Beuys kn\u00fcpfte an die esoterischen Lehren Rudolf Steiners an, Furrer ging 1995\u201397 in die <span class=\"caps\">USA<\/span> nach Yelm (Staat Washington), um einer Sekte f\u00fcr spirituelle Lehren ein Verm\u00f6gen in den Rachen zu werfen. Die Aktion in Wuppertal wurde filmisch und fotografisch festgehalten. Zitat RF zur Wuppertaler Aktion: \u201e\u2026es war einen zus\u00e4tzliche Tarnung durch das Envirnonment \u2013 die figurale Vervielfachung meiner selbst\u201c. Die meditative Agitation in ihrer Langsamkeit l\u00e4sst rituelle Trance ins Kunstwerk \u00fcbersetzt als Erinnerungsfaktor auftreten, eine \u00e4sthetische \u00dcbersetzung, denn nie haben sich die beiden K\u00fcnstler als wirkliche Schamanen entpuppt.<\/p>\n<p>Im Rahmen der internationalen Frauenbewegung und ihrer Suche nach den Urspr\u00fcngen stehen auch Furres Reisen und Fotografien an bekannten Kultpl\u00e4tzen, die mit Steinen, Wasser und H\u00f6hlen der Fr\u00fchzeit zu tun haben \u2013 die \u201earchaische Spurensuche\u201c f\u00fchrte sie nach S\u00fcdengland, Frankreich, auf die Kanaren, nach Seebarn und ins Waldviertel. \u201eFrauenkultur, der uferlose Weg\u201c hatte sie jene bei einem Dia-Vortrag in K\u00f6ln an der Universit\u00e4t (in der Moltkerei) 1983 anl\u00e4sslich einer \u201eInitiative zur Analyse der Kulturgeschichte der Frau\u201c vorgef\u00fchrt neben Texten, die darauf hinweisen, dass sie neben Mircea Eliades Schamanismusliteratur, die heute nicht mehr ins esoterische Eck gedr\u00e4ngt wird \u2013 im parareligi\u00f6sen Fundus unterwegs war, ein Weg, auf dem ihr die Kolleginnen nicht folgten und ich auch nicht folgen kann.<\/p>\n<p>Interessant sind aber die persuasiven Mittel aus der Stille \u00e4hnlich religi\u00f6sen Exerzitien: Furrer gelang in den Aktionen eine Entlarvung der Sprache, eine Skepsis gegen\u00fcber Sprache und Bild, sowie durch das Verdecken des K\u00f6rpers und die Reduktion der Maskerade auf schwarze Verh\u00fcllung, die sie als Hinweis auf Metaphysisches verstand, als \u201eBeitrag zur Frauenreligion\u201c ein kraftvolles Statement. Die \u201en\u00e4chtliche Seite des Wassers\u201c untersuchte sie auch f\u00fcr Platzgestaltungen \u2013 zwei Projekte (Abb. 30, 31), die wohl heute eher umgesetzt w\u00fcrden als damals, auch weil das Agieren im \u00f6ffentlichen Raum noch an Brisanz gewonnen hat: Das Modell 1977\/78 f\u00fcr das \u201ePsychotop\u201c Herisau, einer psychiatrischen Klinik in ihrer Heimatgemeinde in der Schweiz mit einem Schacht f\u00fcr Ger\u00e4usche im Ma\u00dfverh\u00e4ltnis des pythagor\u00e4ischen Monocords \u2013 zum Wahrnehmen von nicht fassbarer magischer Kraft als Resonanzk\u00f6rper. Und ein Wachsmodell von 1993 f\u00fcr das Regierungsviertel in St. P\u00f6lten schuf einen nachtr\u00e4glichen Kultort am k\u00fcnstlichen Stadtgel\u00e4nde an der Traisen. (Beides nicht zur Ausf\u00fchrung gelangt).<\/p>\n<p>Zum Abschluss zwei Fotoaktionen in Seebarn \u2013 fotografiert von Lotte Hendrich-Hassmann, und zwei Bahnen Kontaktabz\u00fcge mit Draperiestudien f\u00fcr die Skulpturen oder ihre T\u00e4nze in Verh\u00fcllung (Abb. 7)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/gewandfaltungen.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-904\" src=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/gewandfaltungen-264x300.jpg\" width=\"430\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/gewandfaltungen-264x300.jpg 264w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/gewandfaltungen.jpg 423w\" sizes=\"auto, (max-width: 430px) 100vw, 430px\" \/><\/a><\/p>\n<p>und ein Bild aus der von Meina Schellander im April 2007 installierten Ausstellung mit Furrers Figuren in der Wiener Jesuitenkirche: \u201eDie Performance ist ein Energie-Ritual\u201c\u2026 ein \u201eVersuch, sich in schwarze Transparenz aufzul\u00f6sen\u201c sagte Rita Furrer. (Abb. 8)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/jesuitenkirche1.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-980\" src=\"http:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/jesuitenkirche1-225x300.jpg\" width=\"200\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/jesuitenkirche1-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.viennavant.at\/wp-content\/uploads\/jesuitenkirche1.jpg 360w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>Jedoch: Nicht die Unverst\u00e4ndlichkeit des Ergebnisses zwischen Existenz und Nichtexistenz, sondern die Idee des Verfahrens ergibt die Mystifikation des Kunstwerks. Insofern steht die K\u00fcnstlerin auch in der Nachfolge der \u201eM\u00f6nche des Unsinns\u201c, Alfred Jarrys und seinem \u201eColl\u00e8ge de Pataphysique\u201c (Max Ernst, Marcel Duchamp, Raymond Quenau, Rene Clair, Eugene Jonesco und Jacques Prevert). Vielleicht doch als \u201eNonne der Kunstreligion\u201c?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Dr., Studium der Malerei und Grafik an der Angewandten, Kunstgeschichte, Arch\u00e4ologie und Byzantinistik an der Uni Wien. Kunstwissenschaftlerin, Journalistin und Ausstellungskuratorin oder -mitarbeiterin in Wien, M\u00fcnchen, Passau, Ulm, St. P\u00f6lten, Krems. Lehrt\u00e4tigkeit an der Uni Wien, Akademie der bildenden K\u00fcnste und am Max Reinhardt-Seminar, Wien. Internationale Vortragst\u00e4tigkeit. Ver\u00f6ffentlichungen (Auswahl): Imago Noctis \u2013 Die Nacht in der Kunst des Abendlandes, Wien-K\u00f6ln-Weimar 2003; Lore Heuermann. On the Peak of Time, Klagenfurt-Wien 2008; Texte f\u00fcr zahlreiche Ausstellungskataloge, etwa zu Giorgione (Wien 2004), Joseph Beuys (Krems 2008) und J\u00fcrgen Klauke (Passau 2006).<br \/>\nArt Critic Award 2007. Jury- und Beiratsmitglied f\u00fcr zahlreiche Institutionen und Museen.<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Stille handelnd intervenieren. Aktionistinnen in Wien Die k\u00fcnstlerische Forschung von Carola Dertnig hat bereits mit der Ausstellung \u201eMothers of Invention\u201c im Mumok und der Publikation \u201eLet\u2019s twist again\u201c (gemeinsam mit Stefanie Seibold) 2006 bewiesen, dass die Aktionistinnen-Szene in Wien gr\u00f6\u00dfer und breiter hin zur Musik war als allgemein von der Kunstgeschichte beachtet. Es &hellip; <a href=\"https:\/\/www.viennavant.at\/en\/symposium-teststrecke-kunst-wiener-avantgarden-nach-1945\/koerper-und-medium\/referat-brigitte-borchhardt-birbaumer\/\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Referat Brigitte Borchhardt-Birbaumer<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":2296,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2408","page","type-page","status-publish","hentry"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.viennavant.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2408","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.viennavant.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.viennavant.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.viennavant.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.viennavant.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2408"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.viennavant.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2408\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.viennavant.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2296"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.viennavant.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2408"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}