{"id":2396,"date":"2016-12-15T11:44:22","date_gmt":"2016-12-15T11:44:22","guid":{"rendered":"http:\/\/viennavant.cloud.d2mc.com\/?page_id=2396"},"modified":"2016-12-15T11:44:22","modified_gmt":"2016-12-15T11:44:22","slug":"referat-bernhard-steger","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.viennavant.at\/en\/symposium-teststrecke-kunst-wiener-avantgarden-nach-1945\/arbeit-an-der-form\/referat-bernhard-steger\/","title":{"rendered":"Referat Bernhard Steger"},"content":{"rendered":"<div id=\"main\">\n<div id=\"content\">\n<div id=\"contentMain\">\n<h2>Das utopische Potential des Bauens. Konrad Wachsmann und die \u00f6sterreichische Nachkriegsavantgarde<\/h2>\n<p>Die sich langsam kanonisierende Geschichtsschreibung nennt das Jahr 1958 als den Beginn der \u00f6sterreichischen Nachkriegsavantgarde in der Architektur. In der Tat gibt es Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Wahl: So nennt Hans Hollein die Kunstgespr\u00e4chen der Galerie St. Stephan in der Seckau als den Beginn eines allgemeinen Diskurses \u00fcber Architektur in \u00d6sterreich; dort wurde z.B. des \u201eVerschimmelungsmanifest\u201c von Friedensreich Hundertwasser erstmals vorgetragen. Ebendort trugen Markus Prachensky und Arnulf Rainer ihr Manifest \u201eArchitektur mit den H\u00e4nden\u201c vor und G\u00fcnther Feuerstein reiht sich mit seinen \u201eThesen zu einer inzidenten Architektur\u201c ebenfalls ein in diesen Reigen der Manifeste ein. Doch neben diesen utopisch poetischen Ans\u00e4tzen, die ihre Kritik am gebauten Funktionalismus k\u00fcnstlerisch formulierte, manifestierte sich bei den Salzburger Sommerakademien von 1956 bis 1960 in den Architekturkursen mit Konrad Wachsmann eine andere Strategie, n\u00e4mlich eine des utopisch wissenschaftlichen Handelns in Form einer Industrialisierung des Bauens. Allerdings \u2013 uns das ist ein wesentlicher Unterschied \u2013 die Utopie wurde nicht als solche empfunden sondern als m\u00f6gliches Ziel in einer sich technologisch entwickelnden Welt. Der 1941 in die <span class=\"caps\">USA<\/span> emigrierte deutsche Architekt vermittelte ein Werkverst\u00e4ndnis architektonischer Art, das diametral dem g\u00e4ngigen, \u00fcberwiegend auf den Hochschulen gelehrten Architektur- und Architektenbild gegen\u00fcberstand. Gerade weil er das architektonische Werk als \u201cBauwerk\u201d negierte, gab er dem Bauen eine neue Bedeutung. Dem Entstehen einer Bauaufgabe legte er ein dialogisches Prinzip zugrunde, das die am Planungsprozess Beteiligten schrittweise einer erkannten optimalen L\u00f6sung zuf\u00fchrte. Nicht das fest gef\u00fcgte Werk war das Ziel, sondern das Erkennen der m\u00f6glichen Wege, die einen Entwurf als flexibles Ziel hervorbringen. \u201cEntwurf sollte als \u201cWerfen\u201d verstanden werden, als iterative Versuche der Ann\u00e4herung mit mehr oder weniger Zielgenauigkeit, aber umso intensiverer Bem\u00fchung um Selbstkontrolle und Selbstkritik.<\/p>\n<p>Wachsmann vermied es, von Architektur und Baukunst zu sprechen, sondern sprach lieber vom Bauen. Dieses k\u00f6nne wissenschaftlich betrachtet und verbessert werden und hatte zur Folge, dass eine Verbesserung der gebauten Umwelt nicht in besserer Architektur, sondern in der Verbesserung der Vorg\u00e4nge um das Bauen liegt: \u201cDies [ist] ein Hinweis\u2026, dass die Ursachen f\u00fcr jenes Missbehagen \u00fcber die Aussage, welche die gebaute Umwelt so oft verursacht, vielleicht nicht in ihrer Erscheinung als unmittelbarer Auswirkung zu suchen sind und dass sich darum im wesentlichen nichts \u00e4ndern kann, wenn man statt schlechter gute Architektur macht\u201d (Wachsmann1960:353). Durch die R\u00fcckf\u00fchrung der Fragen des Bauens auf eine rationale Ebene, entwickelte sich f\u00fcr Wachsmann eine neue Architektur, die mit herk\u00f6mmlichen Methoden der Analyse und Kritik nicht mehr beschrieben werden.<\/p>\n<blockquote><p>Bernhard Steger, DI Dr., Studium der Architektur an der TU-Wien und <span class=\"caps\">ETSAB<\/span> Barcelona. 2003\u20132004 Aufarbeitung Archiv Ottokar Uhl f\u00fcr das Architekturzentrum Wien und Dissertationsstudium TU-Wien; 2005 Kurator der Ausstellung \u201eOttokar Uhl. Nach allen Regeln der Architektur\u201c. 2001\u20132006 selbstst\u00e4ndige T\u00e4tigkeit im Rahmen von eisvogel. Raum f\u00fcr Architektur; projektbezogene Mitarbeit in verschiedenen Architekturb\u00fcros in Wien und Vorarlberg. 2006 Gr\u00fcndung von mohr steger architektur. Seit 2007 Assistent am Institut f\u00fcr Architektur und Entwerfen, Abteilung Raumgestaltung der TU-Wien. Publikationen: \u201cVom Bauen. Zu Leben und Werk von Ottokar Uhl\u201d,<br \/>\nin: AzW (Hg.), \u201cOttokar Uhl\u201d Salzburg 2005; \u201eVom Bauen. Zu Leben und Werk von Ottokar Uhl\u201c Wien 2007. Publizistische T\u00e4tigkeit f\u00fcr Fachmedien und Radio (\u201eDie sch\u00f6nen Architekten\u201c auf Radio Orange 94.00)<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das utopische Potential des Bauens. Konrad Wachsmann und die \u00f6sterreichische Nachkriegsavantgarde Die sich langsam kanonisierende Geschichtsschreibung nennt das Jahr 1958 als den Beginn der \u00f6sterreichischen Nachkriegsavantgarde in der Architektur. 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